Gesichtslähmung (Facialisparese)

Gesichtslähmungen können infolge eines Tumorleidens, nach Unfällen und Entzündungen, als Geburtsdefizit oder auch spontan entstehen. Mag aus ästhetischen Gründen die Entstellung durch den Ausfall der mimischen Gesichtsmuskulatur in einer Gesichtshälfte im Vordergrund stehen, so belasten die funktionellen Ausfälle den Betroffenen viel schwerer. Am Auge kommt es durch den inkompletten Lidschluss zu einem Augentränen und einer chronischen Bindehautentzündung. Die Unfähigkeit den Mund zu verschließen führt dazu, dass Speichel, Flüssigkeiten und Nahrung nicht gehalten werden können und sich der Betroffene beim Essen gesellschaftlich isoliert. Zusätzlich kann die Nasenatmung eingeschränkt sein und eine gestörte Lautbildung zu der typischen, verwaschenen Sprache führen.

Ziel jeder operativen Rekonstruktion muss daher in meinen Augen sein, nicht nur die funktionellen Defizite zu beheben, sondern dem Betroffenen auch eine möglichst natürliche und symmetrische Mimik zu ermöglichen.

Nach Jahrzehnten der wissenschaftlichen Forschung und Weiterentwicklung der Operationstechniken wurde von mir ein dreistufiges Konzept etabliert, welches diese ehrgeizigen Ziele ermöglichen kann. Um den zerstörten Gesichtsnerven zu ersetzen, wird in der ersten von insgesamt drei Operationen ein Nerventransplantat vom gesunden Gesichtsnerven zur geschädigten Gesichtshälfte „vorgelegt“. Nach ca. sechs Monaten sind über dieses Nerventransplantat neue Nervenfasern von der gesunden zur erkrankten Gesichtshälfte ausgewachsen. Nachdem die erforderlichen Nervenimpulse nun am benötigen Ort sind, werden in einer zweiten Operation die erlahmten Gesichtsmuskeln durch einen neuen, kräftigen Muskel ersetzt. Dieser Muskel (Musculus gracilis) kann von der Innenseite des Oberschenkels entnommen werden, ohne dort funktionelle Defizite zu hinterlassen. Anschließend wird er mikrochirurgisch an den vorgelegten Nerven angeschlossen, von dem er zukünftig die Impulse erhält. Es bedarf nun weiterer sechs Monate und intensiver physikalischer Therapie, bis die Nervenfasern in den neuen Muskel eingewachsen sind und erstmals für sichtbare Muskelbewegungen sorgen. Über die Nervenkoppelung an den gesunden Gesichtsnerven kann so ein natürliches und symmetrisches Lächeln entstehen. Sollten kleinere Asymmetrien fortbestehen, können in einer dritten Operation noch entsprechende Korrekturen durchgeführt werden. Dieser letzte Schritt ist jedoch nicht bei allen Betroffenen notwendig.

Für weiter Informationen besuchen Sie bitte www.facialiszentrum.at.